EÜR-Software-Vergleich 2026: Welches Tool für Solo-Selbstständige?

Stand: 2026-06-22 · Lesezeit ca. 6 Min.

Wer als Kleinunternehmer oder Freiberufler seine Steuererklärung selbst erledigen will, braucht ein Tool — aber welches? Der Markt teilt sich in zwei Kategorien: Buchhaltungssoftware wie lexoffice oder sevdesk, die du das ganze Jahr über nutzt, und Steuerprogramme wie WISO Steuer, smartsteuer oder Taxfix, die du einmal im Jahr zum Abgeben der Erklärung öffnest. Beide Kategorien können die Anlage EÜR erzeugen oder ausfüllen — aber sie tun es auf sehr unterschiedliche Weise und zu sehr unterschiedlichen Kosten. Wer die falsche Kategorie wählt, zahlt entweder zu viel oder kämpft am Jahresende mit halbgaren Belegnachweisen.

Zwei Kategorien — grundlegend verschieden

Buchhaltungssoftware (lexoffice, sevdesk) ist ein Jahres-Tool. Du erfasst darin laufend Einnahmen und Ausgaben, scannst Belege, schreibst Rechnungen und verbindest dein Geschäftskonto per Bankimport. Am Jahresende klickst du auf „EÜR exportieren" und gibst das Ergebnis via ELSTER oder direkt aus der Software ab. Der Vorteil: Du hast die Zahlen immer aktuell, kannst unterjährig prüfen ob du auf Kurs bist, und sparst dir das Chaos beim Sammeln von Belegen kurz vor der Abgabefrist.

Steuerprogramme (WISO Steuer, smartsteuer, Taxfix) sind Jahresend-Tools. Du gibst darin einmal jährlich alle Zahlen manuell ein — Einnahmen, Ausgaben, Anlage EÜR — und das Programm überträgt alles ans Finanzamt. Günstiger als Buchhaltungssoftware, aber du musst deine Belege selbst irgendwo sortiert haben, bevor du anfängst.

Für viele Solo-Selbstständige mit wenigen Transaktionen im Jahr (unter 150 Vorgänge) kann das Steuerprogramm vollkommen ausreichen. Wer regelmäßig Rechnungen schreibt, mit Subunternehmern arbeitet oder den Überblick über Betriebsausgaben behalten will, fährt mit Buchhaltungssoftware dauerhaft entspannter.

Fünf Tools auf einen Blick

Tool Kategorie Preis (ca.) EÜR-Export Kleinunternehmer geeignet
lexoffice Buchhaltung ab 7,90 €/Monat Ja (ELSTER-Übertragung) Sehr gut
sevdesk Buchhaltung ab 9,90 €/Monat Ja (ELSTER-Übertragung) Sehr gut
WISO Steuer Steuerprogramm ca. 39–59 €/Jahr Ja (in der Steuererklärung) Gut
smartsteuer Steuerprogramm ab 34,99 €/Jahr Ja (in der Steuererklärung) Gut
Taxfix Steuerprogramm kostenlos / ca. 39,99 €/Jahr Eingeschränkt Bedingt

Alle Preise sind Richtwerte für 2026; prüfe aktuelle Konditionen direkt beim Anbieter, da Tarife und Aktionen sich häufig ändern.

lexoffice — Marktführer mit Rundum-Paket

lexoffice (von Haufe) ist die meistgenutzte Cloud-Buchhaltungslösung für kleine Selbstständige in Deutschland. Das günstigste Paket enthält Rechnungsstellung und einfache Belegerfassung; für die vollständige EÜR mit ELSTER-Übertragung brauchst du mindestens den mittleren Tarif (ca. 16–18 €/Monat).

Stärken: DATEV-kompatibel, sehr guter Bankimport (über 3.000 Banken), integriertes Mahnwesen, E-Rechnung im Format XRechnung/ZUGFeRD ab 2026 bereits enthalten. Der Rechnungsgenerator kann automatisch den Kleinunternehmer-Hinweis nach §19 UStG setzen — man muss nur einmalig die Einstellung vornehmen. Die ELSTER-Schnittstelle überträgt die Anlage EÜR direkt; du musst ELSTER nicht selbst öffnen.

Schwäche: Kosten für Solos mit wenigen Belegen im Jahr können unverhältnismäßig wirken. Wer 80 Einnahmen und 40 Ausgaben im Jahr hat, zahlt für lexoffice ca. 200 € jährlich — mit einem Steuerprogramm für 35 € käme man deutlich günstiger.

sevdesk — starke App, ähnliches Niveau

sevdesk ist direkte Konkurrenz zu lexoffice und liegt preislich und funktional sehr ähnlich. Besonders stark ist die mobile App: Belege per Smartphone abfotografieren, automatische Texterkennung (OCR), sofortige Kategorisierung. Wer viele Reisekosten oder Barbelege hat, spart damit Aufwand.

Der Einstiegstarif enthält ebenfalls die EÜR-Funktion (ab ca. 9,90 €/Monat), was lexoffice in diesem Punkt günstiger macht als beim direkten Feature-Vergleich zunächst scheint. ELSTER-Übertragung funktioniert wie bei lexoffice direkt aus der Software heraus.

Ein sinnvolles Unterscheidungskriterium: Wer viel unterwegs ist und hauptsächlich per App arbeiten will, ist bei sevdesk in der Regel besser aufgehoben. Wer die Buchhaltung eher am Schreibtisch erledigt und Wert auf DATEV-Kompatibilität legt (für Übergabe an Steuerberater), greift eher zu lexoffice.

WISO Steuer — klassisch und vollständig

WISO Steuer (Buhl Data) gibt es seit Jahrzehnten und ist das bekannteste deutsche Steuerprogramm. Die Version für Selbstständige enthält die komplette Anlage EÜR mit allen Feldern, Anlage S und Anlage G, USt-Erklärung, und Schnittstelle zu ELSTER. Preis ca. 39–59 € je nach Version (App, Desktop, oder Online-Version).

Besonders gut: Der geführte Assistent stellt Fragen und füllt Felder im Hintergrund aus — auch wer die EÜR-Struktur nicht im Detail kennt, kommt durch. Plausibilitätsprüfungen weisen auf unplausible Eingaben hin. Die Software gibt es als Desktop-Programm (Windows/Mac) und als Browser-Version.

Einschränkung: WISO Steuer hilft nicht beim laufenden Buchen. Du musst deine Belege selbst gesammelt haben und am Jahresende alle Summen eintragen. Wer seine Ausgaben nicht kategorisiert hat, sucht dann unter Zeitdruck nach einzelnen Positionen.

smartsteuer — günstig und browserbasiert

smartsteuer ist rein browserbasiert und richtet sich an Nutzer, die ihre Steuererklärung online ausfüllen wollen, ohne Software zu installieren. Die Oberfläche ist modern und gut strukturiert; die Anlage EÜR ist vollständig enthalten. Preis: ab ca. 34,99 €/Jahr — häufig das günstigste der vollwertigen Steuerprogramme.

Gut geeignet für: Kleinunternehmer mit überschaubarer Beleglage, die bereits eine eigene Tabelle oder einen Überblick über ihre Einnahmen und Ausgaben führen und das Ergebnis nur noch offiziell übermitteln wollen. Weniger gut geeignet für: Erstmalige Selbstständige ohne Erfahrung mit der EÜR-Struktur — der Assistent ist weniger führend als bei WISO.

Taxfix — App-first, aber mit Grenzen

Taxfix ist als mobile App gestartet und hat sich auf einfache Steuerfälle spezialisiert. Die kostenlose Version deckt Arbeitnehmer-Erklärungen gut ab. Für Selbstständige mit Anlage EÜR ist die kostenpflichtige Version nötig (ca. 39,99 €/Jahr).

Das Problem: Taxfix ist bei komplexeren EÜR-Situationen weniger geeignet als WISO oder smartsteuer. Wer mehrere Einkunftsarten hat, ein Arbeitszimmer absetzen will oder Sonderfälle wie Kfz-Nutzung (1-%-Regelung) hat, stößt schnell an Grenzen. Für einen Kleinunternehmer mit einer einzigen Einkunftsquelle und einfacher EÜR kann es funktionieren — für alles Komplexere lieber auf WISO oder smartsteuer setzen.

Empfehlung nach Nutzer-Typ

Freiberufler oder Kleinunternehmer mit mehr als 150 Transaktionen im Jahr (viele Rechnungen, regelmäßige Betriebsausgaben, Bankimport wichtig) → lexoffice oder sevdesk. Der monatliche Mehrpreis amortisiert sich durch gesparte Zeit bei der Belegerfassung und das Vermeiden von Fehlern am Jahresende.

Solo mit wenigen Transaktionen (unter 100 Vorgänge im Jahr, ein oder zwei Stammkunden, kaum Betriebsausgaben) → WISO Steuer oder smartsteuer. Einmal im Jahr die Zahlen eintragen, fertig. 35–50 € statt 200 € jährlich.

Erstmalige Selbstständige, die die EÜR-Struktur noch nicht kennen → WISO Steuer mit dem geführten Assistenten. Die Lernkurve ist flacher als bei smartsteuer oder der händischen ELSTER-Eingabe.

Wer bereits einen Steuerberater hat → lexoffice (DATEV-Export), damit der Berater die Daten direkt importieren kann und du keine Doppelarbeit leistest.

Was muss das Tool auf jeden Fall können?

Für Kleinunternehmer und Solo-Selbstständige sind diese Funktionen nicht optional:

Nützlich, aber nicht zwingend: Bankimport, Mahnwesen, USt-Voranmeldung (für Kleinunternehmer ohnehin irrelevant), DATEV-Export.

Häufige Fragen

Muss ich überhaupt ein Tool kaufen — geht es nicht auch kostenlos über ELSTER?

Ja. ELSTER Online (elster.de) ist kostenlos und enthält alle Formulare inkl. der Anlage EÜR. Wer sich mit den Feldern auskennt und seine Zahlen griffbereit hat, braucht kein zusätzliches Tool. Der Nachteil: ELSTER bietet keine Assistenz-Funktion, keine Plausibilitätsprüfung über die Steuererklärung hinaus und keinen direkten Beleg-Import. Für Erstmalige ist die Oberfläche gewöhnungsbedürftig.

Kann ich die Kosten für das Tool selbst absetzen?

Ja. Buchhaltungssoftware und Steuerprogramme für die betriebliche Nutzung sind Betriebsausgaben und mindern deinen Gewinn in der EÜR. Trage sie unter „Sonstige Betriebsausgaben" ein.

Ich wechsle von Excel zu einem Tool — wie übertrage ich alte Daten?

Alte EÜR-Daten musst du nicht übertragen. Das neue Tool beginnt mit dem aktuellen Steuerjahr. Historische Belege behältst du einfach in deinem bisherigen System oder als Papierablage — du brauchst sie nur, wenn das Finanzamt nachfragt (Aufbewahrungspflicht: 6–10 Jahre).

Dieser Vergleich basiert auf öffentlich verfügbaren Angeboten der genannten Anbieter (Stand 2026). Preise und Funktionen können sich ändern; prüfe aktuelle Konditionen vor dem Kauf direkt beim Anbieter. KleinCheck erhält ggf. eine Vergütung, wenn du über Links auf dieser Seite einen kostenpflichtigen Tarif abschließt — die Empfehlungen basieren auf redaktioneller Einschätzung, nicht auf Provisionshöhe.